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Europas Hoffnung?

 

Deutsche und französische Flagge - Bild: politglott

Deutsche und französische Flagge, Bild: politglott

Andreas Marchetti

 

Emmanuel Macron hat mit seinen Wahlsiegen die französische politische Landschaft umgepflügt. Allerdings kann er sich nicht lange auf diesem Erfolg ausruhen, viel zu drängend sind die Aufgaben, die ihn fordern. Dies gilt nicht nur für die Innenpolitik, auch das internationale Parkett fordert seine unmittelbare Aufmerksamkeit. Der Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Abkommen nötigt ebenso zum Handeln wie auch die zukünftige Gestaltung der Europäischen Union. Immerhin hat die Europäische Kommission mit ihrem Weißbuch zur Zukunft Europas vom 1. März 2017 auch für Europa erneut die Strukturfrage auf die Agenda gesetzt. (1)

In fünf Szenarien steckt die Kommission in ihrem Weißbuch den möglichen Rahmen für die weitere Entwicklung ab: Während das Szenario „Weiter wie bisher“ keine strukturelle Neuerung verspricht, sieht das Szenario „Schwerpunkt Binnenmarkt“ eine Konzentration der EU auf ihr Kerngeschäft vor. Demgegenüber steht „Wer mehr will, tut mehr“ für ein Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und damit für eine differenzierte Integration. Während „Weniger, aber effizienter“ wieder grundsätzlich von einer Reduktion der thematischen Breite europäischer Politik ausgeht, sticht „Viel mehr gemeinsames Handeln“ als ambitioniertestes Szenario heraus. Bereits in den ersten Positionierungen der Mitgliedstaaten zu diesen Vorschlägen ist deutlich geworden, dass eine Kombination aus dem status quo-orientierten ersten Szenario mit dem dritten eines differenzierteren Europas am wahrscheinlichsten sein wird. ebenso wie Angela Merkel hat sich auch Macron für die Möglichkeit und die Notwendigkeit zur Differenzierung ausgesprochen, um Blockaden in Europa aufzubrechen.

Jenseits aller Strukturfragen müssen aber ebenfalls die zu gestaltenden politischen Inhalte in den Blick genommen werden. Dabei ist auffallend, dass in guter alter Tradition Deutschland und Frankreich in vielen europapolitisch relevanten Fragen zwar grundsätzlich zur Zusammenarbeit bereit sind, es inhaltlich aber auch tiefgreifende Differenzen gibt, die zu überbrücken sind, unabhängig davon, ob nun Angela Merkel im Herbst Bundeskanzlerin bleibt oder aber Martin Schulz als neuer Hausherr ins Kanzleramt einzieht. (2) Paradoxerweise sind es aber gerade die Differenzen in den Ausgangspositionen, die deutsch-französische Führung in Europa überhaupt gelingen lassen. Schließlich können Paris und Berlin nur dann stellvertretend für die anderen Mitglieder der Europäischen Union Kompromisse vorbereiten, wenn sie glaubhaft den Eindruck vermeiden, den Schulterschluss nur zu suchen, um gleichlaufende Interessen auch gegen Widerstand durchdrücken zu wollen. Allerdings hat die in der Vergangenheit zunehmend diagnostizierte Schwäche Frankreichs hier eine Schieflage entstehen lassen, die begünstigte, dass Deutschland in die Position einer bisweilen recht einsamen Führungsmacht in Europa aufgestiegen ist. Mit Macrons politischer Reformagenda und seiner auf Kooperation in Europa ausgerichteten Grundeinstellung besteht nunmehr die Hoffnung auf wieder ausbalanciertere deutsch-französische Beziehungen, die dann auch in Europa wieder impulsgebend werden können.

Die Rahmenbedingungen für deutsch-französische Führung könnten kaum günstiger sein. Bisher haben sich in diesem deutsch-französischen Superwahljahr schließlich die politischen Kräfte durchsetzen können, die für einen pragmatischen europapolitischen Kurs stehen und die Staatsräson europapolitischer Zusammenarbeit nicht dem von Modernitätsängsten getriebenen Populismus geopfert hätten. Auch nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 darf mit einer in europapolitischen Fragen grundsätzlich konstruktiven Bundesregierung gerechnet werden, die den Schulterschluss mit Frankreich suchen kann, um die so viel beschworenen „Stellvertreterkompromisse“ dann tatsächlich auszuhandeln. Aus dem fast gleichzeitigen Beginn der neuen Legislaturperioden in Frankreich und in Deutschland ergibt sich ein Gestaltungsfenster, das sich zumindest bis etwa Frühjahr 2019 erstrecken dürfte. Der faktische Austritt Großbritanniens – in welcher Form auch immer – wird dann allerdings ebenso neue Unruhe mit sich bringen, wie auch die Europawahl nicht nur ein Stimmungstest sein wird, ob das, was von nun an in die Wege geleitet wird, tatsächlich auch Zuspruch seitens der Wahlberechtigten erfährt, sondern auch eine Richtungswahl für die weitere Ausgestaltung Europas. Mit all dem geht ein hoher Innovationsdruck einher, der spätestens ab diesem Herbst dazu führen sollte, dass die Zeichen in Europa auf Erneuerung stehen. In diesem Rahmen kann Europas Hoffnung – wieder einmal – blau-weiß-schwarz-rot-gold sein.

 

(1) Europäische Kommission: Weißbuch zur Zukunft Europas. Die EU der 27 im Jahr 2025 – Überlegungen und Szenarien (COM(2017) 2025), Brüssel 2017.

(2) Einen guten Überblick über die inhaltlichen Konvergenzen und Divergenzen unter „Mercron“ oder „Schucron“ bieten Claire Demesmay/Jana Puglierin: Freude, schöner Götterfunken. Wie der deutsch-französische Motor wieder auf Touren kommen kann, in: Internationale Politik, Juli/august 2017, S. 78-84.

 

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Trump Time: Europe must grow up

Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Mai 2016 in Brüssel, Bild: US Department of State, gemeinfrei

Meeting of NATO defence ministers in May 2016 in Brussels, Picture: US Department of State, public domain

Andreas Marchetti

 

The election of Donald Trump has caused shockwaves throughout Europe. Many fear that the unscrupulous way Trump conducted his campaign will also reflect his style as President of the United States. In addition, even his more radical proposals will presumably have an influence on concrete policy making, despite the constraints of office.

With regard to the precarious geopolitical situation of Europe, Trump’s victory sheds a new light on the future of the transatlantic security architecture. Although Trump revised his initial assessment of NATO being obsolete already during the campaign, he nonetheless made very clear that he expects Europeans to contribute much more substantially to the alliance. Despite the core of this claim being not new to the American discourse, Trump might be much more demanding than his predecessors. However, even more importantly, not only Eastern Europeans, facing a disturbing Russia, fear to question whether the United States will continue to really guarantee the security of all NATO members.

A reasonable answer to the outlined insecurities would be the effective buildup of the European security architecture. This does not imply an inevitable marginalisation of NATO, Europeans are rather demanded to finally assume real responsibility. While this can and should be done within NATO, Europeans will have to critically assess, whether their efforts will also be sufficient for fulfilling basic security and defence tasks in case the Americans choose not to get engaged.

Ever since the begginings of the Common Security and Defence Policy (CSDP) within the Common Foreign and Security Policy (CFSP), the American administration has underlined that European efforts should neither lead to any strategic decoupling from the United States, nor imply expensive duplication of resources and capacities, they also should not give way to discrimination of non-EU NATO members (1). Besides, ever since the end of the Cold War and the decreasing strategic relevance of Europe for American foreign policy, the United States have demanded a fairer burden sharing with European partners. Despite these demands, most European NATO members have cashed in a substantial “peace dividend” since the beginning of the 1990s, thereby not living up to the agreed NATO target of spending 2% of GDP on defence. In addition, Europeans still cultivate the luxury of national, small-scale procurement, leading to a much less favourable value-for-money ratio than in the United States (2).

Seen positively, the election of Trump might just be the external stimulus that was still missing to make Europeans work more closely together in foreign, security and defence policy. By doing so, politicians would not only respond to a continuously voiced demand of European citizens to have more integration in this souvereignity sensitive policy field (3), Europeans would also increase their factual capacity to act on the international scene. Effective multilateralism, described as the desired structure of the international system in the “European Security Strategy” of December 2003 (4), could, despite new uncertainties, be supported by a more united Europe, just as the “principled pragmatism” as propagated in the “EU Global Strategy” of June 2016 could become more relevant (5). In this sense, the election of Trump might well play into the hands of those who have long been demanding to finally depart from the somewhat cosy “political absence” (6) of Europe, still dating from the Cold War. After all, unity is possible, as the geography of Europe, situated on the outskirts of the Eurasian landmass, implies similar requirements for any European countries’ foreign, security and defence policy.

 

1) These “3 d’s” have first been formulated by Madeline K. Albright: “The Right Balance will Secure NATO’s Future”, in: Financial Times, 7 December 1998, available in: Maartje Rutten (ed.): From St-Malo to Nice: European defence: core documents (Chaillot Paper, 47), Paris: Western European Union Institute for Security Studies, p. 11f.

2) Concerning the military gap, cf. Andreas Marchetti: “Transatlantische Annäherungen? Divergenz und Konvergenz im militärischen Bereich”, in: Peter-Christian Müller-Graff (ed.): Europäische Union und USA – Europas nordatlantische Aufgaben (Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration, 87), Baden-Baden: Nomos 2016, p. 115f.

3) Cf. the relevant Eurobarometer surveys, e.g. concerning the approval for a common defence and security policy.

4) A Secure Europe in a Better World: European Security Strategy, Brussels 2003, p. 9.

5) Shared Vision, Common Action: A Stronger Europe, Brussels 2016, p. 16.

6) Peter Sloterdijk: Falls Europa erwacht: Gedanken zum Programm einer Weltmacht am Ende des Zeitalters ihrer politischen Absence, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994.

 

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Political education

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Puzzle zur Einführung in die Europäische Union, Bild: Andreas Marchetti

Puzzle to introduce the European Union, Picture: (c) politglott

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